Fassung für die Taugler Liedertage
von Johannes B. Czernin
in Kooperation mit Daniel Ott & Dominik Schnaitt
Die Zauberflöte ist ein Werk mit zwei Gesichtern. Das eine ist das Märchen: Bunt, komisch, voller Wunder und Verwandlungen. Das andere ist die Initiation: Ernst, philosophisch, durchdrungen von den Idealen der Aufklärung und der Freimaurerei.
Jan Assmann hat in seinem gleichnamigen Buch gezeigt, wie untrennbar diese beiden Ebenen miteinander verbunden sind, und wie gerade diese Spannung das Werk zu einem der rätselhaftesten und lebendigsten der gesamten Opernliteratur macht. Die vorliegende Bearbeitung verdichtet das Werk von Wolfgang Amadé Mozart und Emanuel Schikaneder auf vier recht kurze Akte/ Bilder, ohne seinen Kern anzutasten. Eine neu geschaffene Figur – die Sprecherin – tritt als weise Begleiterin in die Handlung ein. Sie übersetzt, vermittelt und stellt Fragen. Durch sie werden die zentralen Themen des Werkes für ein junges Publikum zugänglich: Mut und Zweifel, Freundschaft und Liebe und vor allem, die Bereitschaft, an sich zu arbeiten und sich zu verändern. Das märchenhafte Gesicht der Oper zeigt sich vor allem an der Figur des Papageno. Und an ihm wird etwas sichtbar, das für den Taugler Singverein von besonderer Bedeutung ist: Seine Arien – strophisch, schlicht, melodisch unmittelbar – stehen in der Tradition des Wiener Liedes. Volksmusik im besten Sinne mitten in einer großen Oper. Mozart und Schikaneder ziehen hier keine Grenze zwischen Kunstlied und Volkslied, sondern lassen beides selbstverständlich nebeneinander und ineinander verwoben stehen.
Genau das wollen wir mit den Taugler Liedertagen erreichen: Die Brückezwischen klassischer Musik und traditioneller Volksmusik zu begehen lebendige Erfahrung. Die Zauberflöte ist vielleicht eines der schönsten Beispiele dafür, dass diese Brücke immer schon da war.